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USA: Inflation steigt auf den höchsten Stand seit 40 Jahren – Wirtschaft


Wenn Politiker wissen, dass die Verkündung schlechter Nachrichten droht, dann gibt es ein probates Gegenmittel: die Vorabrelativierung. Wie das funktioniert, hat jetzt US-Präsident Joe Biden vorgeführt. Die Novemberzahlen zur Inflationsentwicklung “spiegeln weder die heutige Realität wider, noch reflektieren sie die zu erwartenden Preisrückgänge in den kommenden Wochen und Monaten”, sagte der US-Präsident am Donnerstag, noch bevor die entsprechenden Daten überhaupt veröffentlicht waren. Das gelte für Benzin und Gas, aber beispielsweise auch für die hohen Gebrauchtwagenpreise, so Biden.

Wie notwendig der präsidiale Abwiegelungsversuch war, zeigte sich am Freitag, als die Zahlen tatsächlich auf dem Tisch lagen: Um sagenhafte 6,8 Prozent sind die Verbraucherpreise im November im Jahresvergleich gestiegen, noch einmal deutlich stärker als im Oktober. Die Teuerungsrate erreichte damit den höchsten Wert seit fast 40 Jahren, jener fernen Zeit also, als in Washington der kalte Krieger Ronald Reagan regierte. Man könnte auch sagen: Die Hälfte der Amerikaner hat eine Inflation dieses Ausmaßes noch nie erlebt.

Nun kann man natürlich argumentieren, dass Bidens Frust nicht völlig unberechtigt ist. Die Angaben der Regierungsstatistiker beziehen sich auf den vergangenen Monat, die allerneuesten Entwicklungen an der Zapfsäule und in den Supermärkten sind also noch nicht berücksichtigt. Das ist für den Präsidenten vor allem deshalb ärgerlich, weil es insbesondere beim Benzinpreis zuletzt eine minimale Entspannung gab, die durch den Bericht jetzt übertüncht wird. Umgekehrt ist aber auch richtig: Viele der Probleme, die maßgeblich zur Rückkehr der Inflation beigetragen haben, bestehen fort; mancherorts, etwa bei den Wohnkosten, hat sich die Lage zuletzt sogar verschärft. Die meisten Experten gehen deshalb davon aus, dass der Druck frühestens Mitte 2022 spürbar nachlassen wird – wenn überhaupt.

Bidens Demokraten droht bei den Kongresswahlen 2022 eine Schlappe

So viel Zeit allerdings hat Biden nicht. In nicht einmal elf Monaten stehen Kongresswahlen an, und derzeit spricht einiges dafür, dass die regierenden Demokraten sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus ihre Mehrheit verlieren könnten. Für den Präsidenten wäre das eine politische Katastrophe, denn er hätte kaum noch eine Chance, Gesetze und auch Personalvorschläge durch den Kongress zu bringen.

Die Regierung arbeitet deshalb seit Wochen an einer Strategie, um die Preise nach unten zu bringen. Biden verlangte von den großen Häfen in Kalifornien, wo die Containerschiffe aus China und anderen asiatischen Staaten seit Monaten Schlange stehen, dass sie auf einen 24-Stunden-Betrieb umstellen. Er wies die Wettbewerbsbehörde FTC an, zu prüfen, ob die Mineralölkonzerne sich auf Kosten der Bürger bereichern. Und Finanzministerin Janet Yellen lud die Chefs führender US-Halbleiterhersteller ein, um zu eruieren, wie sich die Chip-Knappheit beseitigen lässt, unter der von den Handy- über die Auto- bis zu den Waschmaschinenherstellern beinahe alle Produzenten leiden.

Großen Erfolg brachte all das bisher nicht. Nicht einmal der leichte Rückgang des Benzinpreises, mit dem Biden sich jetzt schmückt, ist sein Verdienst. Verantwortlich dafür ist in erster Linie die Omikron-Variante des Coronavirus, die den Aufschwung bedroht und auf dem Ölmarkt für einen Preiseinbruch gesorgt hat. Sollte sich herausstellen, dass Omikron harmloser ist als gedacht, könnte sich die Entwicklung auch wieder umkehren.

Allein Gebrauchtwagen kosten derzeit anderthalb Mal so viel wie vor Jahresfrist

Die Republikaner nutzen die besorgniserregenden Inflationszahlen derweil, um Biden als unfähig darzustellen. Sie verweisen unter anderem auf die billionenschweren Corona-, Infrastruktur-, Sozial- und Klimaprogramme des Präsidenten, die den Konsum und damit auch die Preise befeuert hätten. Diese Analyse ist nicht völlig falsch, sie unterschlägt aber wissentlich, dass neben den USA auch viele andere Staaten, Deutschland etwa, mit Inflationsproblemen zu kämpfen haben.

Der Hauptgrund für die Krise ist ein anderer: Viele Firmen können ihre Waren nach wie vor nicht in der Geschwindigkeit herstellen und ausliefern, wie die Bürgerinnen und Bürger sie bestellen. Weil in Asien weiterhin Fabriken geschlossen sind und deshalb Vorprodukte ausbleiben. Weil Hafenarbeiter und Lastwagenfahrer fehlen, die Waren entladen und weitertransportieren. Weil auch in den USA etwa Schlachthöfe wegen Corona-Ausbrüchen die Produktion unterbrechen mussten. Da neue Autos fehlen, kosten allein Gebrauchtwagen derzeit anderthalb Mal so viel wie im Vorjahr.

Die Entwicklung ist mittlerweile so dramatisch, dass die US-Notenbank nächste Woche wohl ankündigen wird, ihre Programme zur Konjunkturstützung sehr viel schneller zurückzufahren als geplant. Damit könnte bereits im Frühjahr 2022 die erste Leitzinserhöhung seit 2018 anstehen. Für Biden wäre das eine äußerst zwiespältige Sache: gut für den Kampf gegen die Inflation, schlecht für die Konjunktur – und damit womöglich auch für die Wahlchancen der Demokraten.


Circassia News

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